Mein Mann spielt Tennis (ich übrigens nicht 😉).
Neulich veranstaltete seine Tennisabteilung ein Boßelturnier mit anschließendem Grünkohlessen.
Mein Mann fragte mich, ob ich mitkäme, und ich sagte ‚Ja‘ (obwohl ich noch niemals im Leben eine Boßelkugel in der Hand hatte).
Weil ich die meisten aus der Tennisabteilung nicht kannte, und mich die meisten von denen auch nicht kannten und schon gar nichts von meiner Hörbehinderung wussten, hatte ich für sie eine Gebrauchsanweisung angefertigt.
Ihr sehr sie hier:
Auf der Gebrauchsanweisung stand:

Nur von vorne ansprechen – ich bin fast taub.
Ich befestigte sie an meinem Stirnband, und los ging es.
Meinem Mann war das Ganze ein bisschen peinlich, aber da musste er durch.
Was passierte?
Alle begrüßten sich, und mich begrüßten sie natürlich auch.
Dabei streifte ihr Blick meine Gebrauchsanweisung, und dann wandten sie sich ab.
Niemand sagte auch nur irgendetwas.
Dann erklärte der Vorsitzende die Regeln und teilte die Gruppen ein:
Es wurde mit einem Fußball geboßelt, und ich kam in eine andere Gruppe als mein Mann.
Dann ging es los mit dem Boßeln.
Erst auf dem Vereinsgelände, dann mit einem Bollerwagen im Wald.
Ihr könnt euch sicherlich vorstellen, was sich auf diesem Bollerwagen befand.
Brot und Käse natürlich! Und Bier und jede Menge kleine Schnapsflaschen. 😊
Von deren Inhalt wurde so reichlich Gebrauch gemacht, dass sich in meiner Gruppe nach und nach die Zunge löste, und mich einer nach dem anderen auf meine Hörbehinderung ansprach.
Aber es ging dabei nicht nur um mich.
Es ging meinen Gesprächspartnern auch um Schwerhörigkeit in der eigenen Familie, oder in der Tennisabteilung, oder um eigene Probleme mit dem Hören.
Als ich mich auch noch als die Beauftragte für Schwerhörigenseelsorge der Hannoverschen Landeskirche outete, da bat mich der eine oder andere von ihnen sogar um konkrete Ratschläge zum Thema Schwerhörigkeit.
Irgendwann waren wir wieder am Vereinsheim, und die leergetrunkenen kleinen Schnapsflaschen wurden liebevoll aufgestapelt, bestaunt und beprostet (was ich übrigens mit alkoholfreiem Bier machte).

Kurze Zeit später, als es im Vereinsheim mit dem Grünkohlessen weiter ging, brauchte ich meine Gebrauchsanweisung nicht mehr und nahm sie ab.
Alle wussten inzwischen, dass ich hörgeschädigt bin.
Und wer es doch mal vergaß?
Der konnte es an meinem Roger und meinem dazu gehörenden, umgehängten Neckloop sehen, die ich im Vereinsheim selbstverständlich benutzte, um auch dort gut hören zu können.

Beate Gärtner, Schwerhörigenseelsorgerin