Schwerhörigenseelsorge fordert die Ausstattung von Kirchenräumen mit Induktionsanlagen

Mit Hinweis auf die Regelung zu barrierefreiem Bauen nach DIN 18040-1:2010-04 gibt der Vorstand der Evangelischen Schwerhörigenseelsorge in Deutschland e.V. folgende Empfehlung:

Moderne Hörgeräte – so versprechen viele Hersteller – sind in der Lage,
hörgeschädigten Menschen ein fast natürliches Hören zu ermöglichen. Doch
die modernste digitale Technik stößt an physikalische Grenzen. In akustisch
ungünstigen Räumen wie Kirchen mit langem Nachhall und starkem Echo
haben auch Guthörende Probleme, Sprache zu verstehen. Für
Hörgeräteträger ist dies nahezu unmöglich. Auch die ausgefeiltesten
Hörsysteme können Störgeräusche nicht ausreichend filtern. Somit besteht
die Gefahr, dass das Wort Gottes bei einem großen Teil der Menschen nicht
ankommt – bis zu 20% der Bevölkerung leiden an Hörproblemen.
Abhilfe schafft eine induktive Höranlage. Diese Technologie ist seit vielen
Jahren bekannt und bewährt. Leider ist sie in vielen Kirchen und öffentlichen
Räumen noch nicht installiert. Das gesprochene Wort wird per Mikrofon über
einen sogenannten Ringleitungs- oder Schleifenverstärker einem Draht zugeführt, der um den zu
„beschallenden“ Raum verlegt ist. Innerhalb dieser Ringleitung bildet sich ein Magnetfeld im Rhythmus der
Sprache. Die sogenannte „T-Spule“ im Hörgerät nimmt dieses Magnetfeld auf und wandelt es in Sprache.
Dieses Magnetfeld wird von „Normalhörenden“ weder gespürt noch wahrgenommen, beschert dem
Hörgeräteträger jedoch einen klaren, störungsfreien Empfang.
Voraussetzung für die Nutzung der induktiven Technologie ist das Vorhandensein, bzw. die Aktivierung einer
„T-Spule“ im Hörgerät. Leider fällt dieses Bauteil häufig dem Trend zur Miniaturisierung moderner Hörsysteme
aus kosmetischen Gründen zum Opfer oder wird zu Unrecht als veraltet bezeichnet und - um Bedienfehler
zu vermeiden – von Hörgeräteakustikern nicht aktiviert.
Selbsthilfe- und Fachverbände, Raumakustiker und Hörgeräteakustiker in Deutschland empfehlen die Installation
von induktiven Höranlagen. Es gibt keine vergleichbare Technik, die gleiche Hörqualität bietet und
genauso unkompliziert genutzt werden kann. Die Installation ist relativ kostengünstig.
Bereits ab einem Materialwert von ca. 2.000,- € können Kirchengemeinden ihren schwerhörigen Gliedern
den Zugang zu Gottesdienst und Gemeindeleben erleichtern. Induktive Höranlagen sind nach fachgerechtem
Einbau wartungsfrei und bieten größtmögliche Barrierefreiheit. Trägerinnen und Träger von entsprechenden
Hörgeräten können sich unabhängig von vorgegebenen Plätzen und ohne weitere Zusatzgeräte zuschalten
und für ihre selbstbestimmte Teilhabe am Geschehen entscheiden.
Die Evangelische Schwerhörigenseelsorge in Deutschland
• fordert die Hersteller von Hörsystemen auf, weiterhin Hörgeräte mit „T-Spule“ auszustatten und
vorzuhalten,
• appelliert an Akustiker, bei der Beratung und Hörgeräteanpassung auf die induktive Technik hinzuweisen
und diese zu aktivieren,
• bittet Kirchengemeinden, ihre Beschallungsanlage prinzipiell auch mit induktiver Übertragung
auszustatten.

Weitere Informationen sind bei der/dem Beauftragten für Schwerhörigenseelsorge in Ihrer Region.