Induktive Höranlagen für Kirchen gefordert

Die Evangelische Schwerhörigenseelsorge in Deutschland
• fordert die Hersteller von Hörsystemen auf, weiterhin Hörgeräte mit „T-Spule“ auszustatten und vorzuhalten,
• appelliert an Akustiker, bei der Beratung und Hörgeräteanpassung auf die induktive Technik hinzuweisen und diese zu aktivieren,
• bittet Kirchengemeinden, ihre Beschallungsanlage prinzipiell auch mit induktiver Übertragung auszustatten.

Moderne Hörgeräte – so versprechen viele Hersteller – sind in der Lage,
hörgeschädigten Menschen ein fast natürliches Hören zu ermöglichen. Doch
die modernste digitale Technik stößt an physikalische Grenzen. In akustisch
ungünstigen Räumen wie Kirchen mit langem Nachhall und starkem Echo
haben auch Guthörende Probleme, Sprache zu verstehen. Für Hörgeräteträger ist dies nahezu unmöglich. Auch die ausgefeiltesten Hörsysteme können Störgeräusche nicht ausreichend filtern. Somit besteht die Gefahr, dass das Wort Gottes bei einem großen Teil der Menschen nicht ankommt – bis zu 20% der Bevölkerung leiden an Hörproblemen.
Abhilfe schafft eine induktive Höranlage. Diese Technologie ist seit vielen Jahren bekannt und bewährt. Leider ist sie in vielen Kirchen und öffentlichen Räumen noch nicht installiert. Das gesprochene Wort wird per Mikrofon über einen sogenannten Ringleitungs- oder Schleifenverstärker einem Draht zugeführt, der um den zu „beschallenden“ Raum verlegt ist. Innerhalb dieser Ringleitung bildet sich ein Magnetfeld im Rhythmus der Sprache. Die sogenannte „T-Spule“ im Hörgerät nimmt dieses Magnetfeld auf und wandelt es in Sprache.
Dieses Magnetfeld wird von „Normalhörenden“ weder gespürt noch wahrgenommen, beschert dem Hörgeräteträger jedoch einen klaren, störungsfreien Empfang.
Voraussetzung für die Nutzung der induktiven Technologie ist das Vorhandensein, bzw. die Aktivierung einer „T-Spule“ im Hörgerät. Leider fällt dieses Bauteil häufig dem Trend zur Miniaturisierung moderner Hörsysteme aus kosmetischen Gründen zum Opfer oder wird zu Unrecht als veraltet bezeichnet und - um Bedienfehler zu vermeiden – von Hörgeräteakustikern nicht aktiviert.
Selbsthilfe- und Fachverbände, Raumakustiker und Hörgeräteakustiker in Deutschland empfehlen die Installation von induktiven Höranlagen. Es gibt keine vergleichbare Technik, die gleiche Hörqualität bietet und genauso unkompliziert genutzt werden kann. Die Installation ist relativ kostengünstig. Bereits ab einem Materialwert von ca. 2.000,- € können Kirchengemeinden ihren schwerhörigen Gliedern den Zugang zu Gottesdienst und Gemeindeleben erleichtern. Induktive Höranlagen sind nach fachgerechtem Einbau wartungsfrei und bieten größtmögliche Barrierefreiheit. Trägerinnen und Träger von entsprechenden Hörgeräten können sich unabhängig von vorgegebenen Plätzen und ohne weitere Zusatzgeräte zuschalten und für ihre selbstbestimmte Teilhabe am Geschehen entscheiden.

Weitere Informationen sind bei der/dem Beauftragten für Schwerhörigenseelsorge Ihrer Landeskirche erhältlich.